Meshtastic hat in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Immer mehr Leute schwören auf die kleinen LoRa-Geräte, um auch ohne Handyempfang oder WLAN miteinander zu quatschen. Eine echt spannende Funktion dabei ist Store & Forward (S&F). Aber wie läuft das eigentlich, und warum kommt das Feature in größeren Netzwerken schnell ins Straucheln?
Was kann Store & Forward?
Normalerweise ist es bei Meshtastic so: Wenn der Empfänger gerade außer Reichweite ist, ist die Nachricht futsch. Store & Forward löst das elegant. Ein spezielles Gerät im Netz, der sogenannte S&F-Server, speichert Nachrichten temporär und hält sie bereit. Sobald ein Gerät nach einer Funkpause wieder online ist, kann es beim Server eine „History Request“ absetzen. Der Server schickt dann die gespeicherten Nachrichten nochmal los – quasi wie ein kleines Postfach im Mesh-Netzwerk. Praktisch, oder?
Was braucht’s dafür?
Klingt super, hat aber ein paar Voraussetzungen:
- Hardware: Nur ESP32-Geräte mit PSRAM (z. B. T-Beam oder T3S3) können als S&F-Server laufen.
- Dauerbetrieb: Der Server sollte immer an sein, sonst gehen Nachrichten verloren.
- Speicherplatz: Nachrichten landen im PSRAM. Standardmäßig passen da tausende Einträge rein, aber wenn der Speicher voll ist, werden ältere Nachrichten überschrieben.
- Private Kanäle: S&F ist nicht für den öffentlichen Kanal gedacht, um das Netz nicht mit Datenmüll zu fluten.
Wo hakt’s?
So cool Store & Forward ist, es hat klare Grenzen, besonders in größeren Meshes:
- LoRa ist lahm: LoRa hat zwar eine krasse Reichweite, aber die Bandbreite ist winzig. Wenn viele alte Nachrichten nachgesendet werden, ist der Kanal schnell dicht.
- Duty Cycle: Besonders in Europa (868 MHz) gibt’s gesetzliche Limits für die Sendezeit. Ein überfüllter S&F-Puffer kann dazu führen, dass Nachrichten ewig hängen oder gar nicht ankommen.
- Duplikate: Der Server weiß nicht genau, was ein Gerät verpasst hat. Also schickt er oft mehr Nachrichten als nötig – inklusive Sachen, die der Empfänger schon hat.
- Hop-Limit: Meshtastic-Nachrichten werden meist nur drei Mal weitergeleitet (Hops). Wenn der Server zu weit weg ist, kommen die gespeicherten Nachrichten nicht an.
- Netzwerklast: Bei vielen Geräten wird das Nachsenden zum Problem. Jeder Abruf löst eine Nachrichtenflut aus, die alle anderen Geräte im Netz mitbekommen.
Was sagt die Dokumentation?
Laut der offiziellen Meshtastic-Doku gibt’s zwei wichtige Parameter für Store & Forward:
- History Return Max: Legt fest, wie viele Nachrichten maximal zurückgegeben werden, wenn ein Gerät die Historie abfragt. Standardwert bei „0“: 25 Nachrichten.
- History Return Window: Ein Zeitfenster in Minuten – Nachrichten außerhalb dieses Fensters werden nicht gesendet. Standard bei „0“: 240 Minuten (4 Stunden, nicht 2 Stunden!).
- Records: Bestimmt, wie viele Nachrichten insgesamt gespeichert werden. Bei Standardwert „0“ nutzt der Server etwa 2/3 des PSRAMs – das reicht für ca. 11.000 Nachrichten.
Manchmal hört man von Konfigurationen mit 100 Nachrichten und 2 Stunden (7.200 Sekunden) Speicherzeit, wie z. B. in einem Beispiel vom Chicagoland Mesh. Das ist möglich, wenn man History Return Max auf 100 und History Return Window auf 120 Minuten setzt. Aber das ist kein Standard – der liegt, wie gesagt, bei 25 Nachrichten und 4 Stunden.
Fazit
Store & Forward ist ein echt cleveres Feature, um Nachrichtenverluste in kleinen Meshtastic-Netzen zu vermeiden. Für Wandergruppen, Festivals oder Notfallszenarien kann es ein Gamechanger sein. Aber in großen Netzen stößt es schnell an Grenzen: langsame Datenraten, Speicherprobleme und Netzüberlastung machen’s unpraktisch. Meshtastic ist halt kein WhatsApp-Ersatz, sondern ein Low-Bandwidth-System mit Kompromissen. Store & Forward hilft – aber nur, wenn’s überschaubar bleibt.
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