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SenseCAP Solar Node P1-Pro für Meshtastic: auf dem Papier perfekt – im deutschen Winter gescheitert

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Ein solarversorgter Meshtastic-Node, der ohne Bastelaufwand als Repeater irgendwo am Mast hängt und monatelang einfach funktioniert, ist so ein Klassiker: Man will ihn einmal montieren, sauber konfigurieren – und dann vergessen. Genau dieses Versprechen bringt der SenseCAP Solar Node P1-Pro mit. Und fairerweise: Funkseitig und softwareseitig hat er bei mir zunächst genau das geliefert, was ich mir davon erhofft hatte.

Der Node lief jetzt rund zwei Monate im Winterbetrieb. Er hat in dieser Zeit einwandfrei als Meshtastic-Knoten gearbeitet und war ebenso unauffällig im Betrieb mit MeshCore. Reichweite, Stabilität, Verhalten im Mesh: alles unauffällig gut. Das Problem kam nicht vom Funkstack, sondern vom Teil, der bei Outdoor-Hardware am Ende entscheidet: Energiepfad, Mechanik und Wettereignung. Denn der deutsche Winter hat ihn bei mir nicht überstanden. Noch ärgerlicher: Selbst bei wiederkehrender Sonne wirkt es so, als ob er nicht sauber neu startet bzw. nicht zuverlässig zurückkommt.

Hardwarekonzept: gute Basis, sinnvoll integriert

Der P1-Pro ist konzeptionell attraktiv, weil er typische DIY-Bausteine in ein Outdoor-Gehäuse packt: XIAO nRF52840 Plus als Controller, ein SX1262-LoRa-Modul (Wio-SX1262), dazu ein XIAO L76K GNSS-Modul im Pro-Modell. Versorgt wird das Ganze über ein integriertes 5-W-Solarmodul und einen Batteriespeicher aus vier 18650-Zellen. Für Erweiterungen gibt es einen internen Grove-Port, Debug/Versorgung geht über USB-C. Die Dichtungsklasse ist als IPX5 angegeben, also spritzwassergeschützt – zumindest nach Datenblatt.

Das ist genau die Kombination, die man für einen “häng ihn draußen hin”-Knoten sehen will: nRF52 wegen Low-Power und BLE-Provisioning, SX1262 als aktueller LoRa-Standard, GNSS optional, plus Solar und Akkupuffer. Alles in einem Paket, ohne dass man selbst Gehäuse, Halter und Kabelmanagement neu erfinden muss.

Inbetriebnahme und Betrieb: Meshtastic und MeshCore ohne Drama

Im Alltag war die Einrichtung bei mir unspektakulär. Der Node war schnell im Netz, verhielt sich erwartbar und blieb über Wochen stabil erreichbar. Besonders wichtig für Winterbetrieb ist weniger ein “magisches” Gerät, sondern eine saubere Konfiguration: Sendeleistung nicht unnötig hoch, Sendeintervalle sinnvoll, GNSS nur dann aktiv, wenn du es wirklich brauchst, und die Rolle im Mesh passend zum Einsatzzweck. Funkseitig hatte ich keine Auffälligkeiten – bis der Winterteil kam, den man in Datenblättern gern unterschätzt.

Winterrealität: zwei Monate ok – dann Ausfall und keine saubere Rückkehr

Nach rund zwei Monaten war Schluss. Der Node fiel aus und kam später trotz Sonne nicht zuverlässig wieder hoch. Das ist der Punkt, an dem ein Outdoor-Solar-Knoten entweder begeistert – oder komplett durchfällt. Denn “man muss ihn nach einem Winter manuell wiederbeleben” ist in der Praxis dasselbe wie “nicht wintertauglich”.

Was dabei so frustrierend ist: Das Fehlerbild wirkt nicht wie ein normaler Reboot oder ein Firmwareproblem, sondern wie ein Energiepfad, der sich in einen Zustand verabschiedet, aus dem er ohne manuelles Eingreifen nicht sauber zurückfindet. Genau das willst du bei einem Gerät, das irgendwo draußen hängt, nicht erleben.

Wahrscheinliche technische Ursachen: Laden bei Kälte, Tiefentladung und Schutzschaltungen

Der Klassiker im Winterbetrieb ist weniger die Entladung, sondern das Laden. Viele Li-Ion-Setups dürfen bei niedrigen Temperaturen zwar entladen, aber nicht mehr sinnvoll laden. Wenn das System in einer längeren Dunkel-/Schlechtwetterphase tief entlädt und es danach zwar wieder sonnig wird, die Zellen aber weiterhin kalt sind, kann der Ladevorgang durch Schutzlogik begrenzt oder blockiert werden. Dann bleibt der Node in einem “zu leer zum Booten”-Fenster hängen, obwohl tagsüber Solarleistung anliegt.

Das zweite typische Muster ist ein Schutz- oder BMS-Zustand, der bei Tiefentladung “latcht”, also nicht automatisch wieder freigibt. Je nach Implementierung braucht es dann einen Mindeststrom, eine Mindestspannung oder einen definierten Resetpfad, den ein kleines Solarpanel bei diffusem Licht nicht liefert. Das passt ziemlich gut zu “Sonne ist da, aber der Node startet nicht wieder”.

Dritter Punkt: Feuchtigkeit. Der deutsche Winter ist oft nicht nur kalt, sondern vor allem feucht, mit starken Temperaturwechseln. Kondensation ist bei Outdoor-Elektronik ein stiller Killer: Sie sorgt für Kriechströme, erhöhten Ruhestrom, Kontaktprobleme und langfristig für Korrosion – auch dann, wenn das Gehäuse nach außen “dicht” wirkt.

Antennenanschluss: RP-SMA und Outdoor – bei mir ein klarer Schwachpunkt

Der größte sichtbare Ärger war bei mir der Antennenanschluss. Am SMA/RP-SMA-Bereich zeigten sich Korrosionsspuren: blaue Punkte und Streifen. Das ist nicht nur optisch unschön, sondern potentiell ein echter Performance-Killer, weil Korrosion Übergangswiderstand und Kontaktqualität verschlechtert. Und genau da hängt bei einem Mesh-Node am Ende alles: Linkbudget, Zuverlässigkeit, Reichweite.

Dass man an einem Outdoor-Solar-Node überhaupt auf SMA/RP-SMA setzt, halte ich für eine fragwürdige Entscheidung. SMA ist mechanisch praktisch und im Bastelbereich Standard – aber “wirklich outdoor-tauglich” wird das nur, wenn es konsequent abgedichtet ist: Dichtscheiben/O-Ring, wetterfeste Kappe, sauberer Kabelabgang, Zugentlastung und idealerweise ein Feuchteschutz am Übergang. In der Praxis ist SMA draußen oft die Stelle, an der Feuchtigkeit reinwandert und langfristig Ärger macht.

Was ich daraus mitnehme: Anforderungen an einen wintertauglichen Solar-Mesh-Node

Nach diesem Test ist für mich klar: Funk und Firmware sind nur die halbe Miete. Für einen Node, der in Mitteleuropa ganzjährig draußen hängen soll, sind die entscheidenden Punkte:

  • Zuverlässige Rückkehr nach Tiefentladung: Wenn Sonne wieder da ist, muss das Gerät ohne manuelles Eingreifen wieder hochkommen.
  • Kältefestes Ladeverhalten: Das System muss mit typischen Wintertemperaturen umgehen können, ohne in einen “nie wieder”-Zustand zu fallen.
  • Outdoor-Mechanik im Detail: Antennenanschluss, Dichtungen, Kondensationsmanagement und korrosionsfeste Kontaktflächen sind keine Nebensache, sondern die Hauptursache für Ausfälle.

Wenn du so einen Node trotzdem einsetzen willst, würde ich den Antennenbereich von Tag eins an behandeln wie eine Schwachstelle: Wetterschutz am Stecker, Tropfschleife am Koax, mechanische Entlastung und konsequente Abdichtung. Das ist nicht schön, aber draußen zählt Realität, nicht Prospekt.

Fazit

Der SenseCAP Solar Node P1-Pro ist konzeptionell stark und hat bei mir zwei Monate lang im Winterbetrieb sauber funktioniert – inklusive problemloser Nutzung mit Meshtastic und MeshCore. Genau deshalb ist der Ausfall so ärgerlich: Nicht, weil er grundsätzlich “schlecht” ist, sondern weil er in dem Moment versagt, in dem Outdoor-Hardware liefern muss. In meinem Fall hat er den deutschen Winter nicht überstanden, kam bei Sonne nicht zuverlässig wieder hoch, und der SMA/RP-SMA-Anschluss zeigte Korrosion mit blauen Punkten und Streifen.

Unterm Strich ist das für meinen Einsatzzweck ein klares Ergebnis: Die Suche nach einem wirklich wintertauglichen Mesh-Node geht weiter.

SenseCAP Meshtastic Solar
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