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Meshtastic: Große Vision, holprige Realität

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Meshtastic verspricht Kommunikation ohne Netz – eine Idee, die Outdoor-Fans, Krisenvorsorger und Event-Organisatoren elektrisiert. Günstige LoRa-Knoten sollen Nachrichten auch dort transportieren, wo kein Handyempfang ist. Doch so verlockend die Vision klingt, die Praxis hinkt hinterher. Zuverlässiges Messaging bleibt die Achillesferse eines ansonsten faszinierenden Projekts. Was läuft schief? Und wie könnte es besser werden?

1. Nachrichten, die im Äther verschwinden

Meshtastic preist sich als „long range off-grid communication platform“, doch in der Realität verschwinden Nachrichten oft spurlos. In echten Netzen tauchen sie in der App nicht auf oder werden nur teilweise bestätigt. Besonders iOS-Nutzer berichten von verlorenen Nachrichten nach Verbindungsabbrüchen – Neustarts sind oft die einzige Lösung, was frustrierend ist. In Community-Foren wie Reddit häufen sich Klagen: „Ich sehe Nodes, aber Antworten kommen kaum an.“

Quellen: RedditGitHub Issues

2. Anerkennungen, die keine Sicherheit bieten

Bestätigungen (ACKs) sollen garantieren, dass Nachrichten ankommen – doch sie sind unzuverlässig. Schon 2021 wurde über „acks getting starved“ diskutiert, und selbst 2025 fordern Nutzer „Double ACKs“, um Klarheit zu schaffen. Wenn das Kernversprechen „Nachrichten kommen an“ ist, bleibt Meshtastic hier hinter den Erwartungen zurück.

Quellen: GitHub Issues

3. Apps, die den Nutzer testen

Die Meshtastic-Apps sorgen für zusätzlichen Frust: leere Nachrichtenfenster, ausbleibende Benachrichtigungen für Direktnachrichten oder der Ratschlag, die App neu zu installieren. Zwar gibt es regelmäßige Fixes, doch Nutzer fühlen sich oft wie Beta-Tester. Die Entwickler arbeiten daran, aber eine runde Nutzererfahrung fehlt noch.

Quellen: RedditGitHub Issues

4. Hardware: Viel Auswahl, wenig Feinschliff

Meshtastic unterstützt eine breite Palette an Geräten – doch „unterstützt“ heißt nicht „optimiert“. Ein Beispiel ist das LilyGO T-Deck Pro: Erst 2025 (Firmware v2.7.4) kam sichtbare Unterstützung aber diese ist nicht ausgereift. Letztlich nutzt man das größere Display nicht aus, es gibt keine Tastensperre für ein Gerät mit Touch Display usw.

Quellen: RedditMeshtastic Docs

5. Skalierung: Wenn das Netz überlastet

Große Meshtastic-Netze stoßen schnell an Grenzen. Die Entwickler warnen selbst vor Kanal-Überlastung durch falsche Router-Profile (z. B. ROUTER_LATE) oder zu „gesprächige“ Presets wie LongFast. Kollisionen und Packet-Loss machen das Netz unbenutzbar. Community-Threads zeigen: Skalierung ist eine Herausforderung, die noch nicht gelöst ist.

Quellen: Meshtastic Blog

6. Telemetrie: Mehr Lärm als Nutzen

Standardmäßig senden Nodes regelmäßig Telemetrie-Daten (z. B. Positionen, Umgebungsdaten) – oft alle 30 Minuten. Das klingt nach nützlichem Monitoring, verstopft aber die Funkfrequenzen, besonders in dichten Netzen. Die Community diskutiert Drosselung, und die offizielle Dokumentation empfiehlt längere Intervalle. Doch die Voreinstellungen sind oft zu aggressiv, was Nachrichten und Akku-Laufzeit belastet.

Quellen: GitHub IssuesMeshtastic Docs

7. Akkulaufzeit: Sparsam nur in der Theorie

LoRa gilt als stromsparend – aber nur, wenn wenig gesendet wird. In aktiven Netzen mit vielen Broadcasts oder Router-Weiterleitungen steigt der Verbrauch rapide. Die Dokumentation empfiehlt Power-Saving-Profile, externe Guides raten zu aggressiven Intervallen oder dem Abschalten unnötiger Funktionen. Die Akkulaufzeit hängt stark davon ab, wie „ruhig“ das Netz ist – und das ist es selten.

Quellen: Meshtastic DocsHeltec Docs

8. Leere Chats trotz vollem Netz

In städtischen „Open Channels“ sieht man oft viele Nodes – aber kaum Konversationen. Gründe: unzuverlässige Zustellung, überlastete Kanäle und App-Sync-Probleme. Das Ergebnis ist ein paradoxes Erlebnis: Es fühlt sich nach Netzwerk an, aber die Kommunikation bleibt lückenhaft.

Quellen: Reddit

Fazit: Ein Projekt mit Potenzial, aber ohne Feinschliff

Meshtastic ist ein beeindruckendes, von der Community getragenes Projekt, das sich rasant entwickelt. Doch die Vision von zuverlässigem Offgrid-Messaging ist 2025 noch nicht erfüllt. Die größten Hürden:

  • Zuverlässigkeit: Nachrichtenverlust und unsichere ACKs.
  • Apps: Bugs und Sync-Probleme.
  • Hardware: Breite Unterstützung, aber oft unausgereift.
  • Skalierung: Große Netze geraten schnell an ihre Grenzen.
  • Telemetrie: Zu viel Datenverkehr belastet Netz und Akku.

Was würde helfen?

  • Robustere Zustellung: Bessere ACK-Strategien und bestätigte Retries.
  • Stabile Apps: Weniger Bugs, saubere Synchronisation.
  • Konservative Voreinstellungen: Längere Intervalle für Telemetrie, sparsame Presets.
  • Klare Skalierungs-Tipps: Weg von LongFast, sparsame Router-Profile.
  • Geräte-Transparenz: Eine klare „Tier-Liste“ für Hardware (z. B. Gold/Silver/Beta).

Bis diese Punkte angegangen sind, bleibt Meshtastic ein spannendes Experiment – aber kein verlässliches „Offgrid-WhatsApp“. Wer es produktiv nutzen will, sollte Netze klein halten, Telemetrie drosseln und mit Ausfällen rechnen.

Meshcore: Ein schlanker Gegenentwurf

Ein interessanter Vergleich ist Meshcore, ein weniger bekanntes Projekt mit Fokus auf das Wesentliche: Messaging. Keine Telemetrie-Flut, keine überladenen Features. Router leiten Nachrichten effizient weiter, Clients kommunizieren direkt mit ihnen – nicht Gerät-zu-Gerät wie bei Meshtastic. Das macht Meshcore stabiler: Nachrichten kommen zuverlässiger an, Chats laufen flüssiger. Der Nachteil? Meshcore hat eine kleine Community, weniger Geräteunterstützung und ein weniger dynamisches Ökosystem. Für reines Offgrid-Messaging ist es jedoch oft die robustere Wahl.

Quellen

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