Apple galt lange als Vorreiter für innovative Wearables, Gesundheitsfeatures und nahtlose Integration. Doch in letzter Zeit mehren sich Stimmen, die kritisieren, dass Apple den Anschluss verliert – die großen Neuerungen fehlen, die Versprechen kommen nicht an. Hier ein klarer Blick auf die Kritikpunkte, basierend auf aktuellen Berichten, Studien und technischen Grenzen.
1. Google erkennt Herzstillstand – Apple schweigt
Ein starkes Beispiel: Google hat für seine Pixel-Smartwatches die „Loss of Pulse Detection“ vorgestellt, die einen Herzstillstand erkennt und sogar von der US-amerikanischen FDA zugelassen wurde. Die Technik nutzt optische Sensoren (Photoplethysmographie, PPG) und Algorithmen, um einen fehlenden Puls zu detektieren. Bleibt eine Reaktion des Nutzers aus, kann die Uhr automatisch den Notruf wählen. Studien zeigen eine Sensitivität von etwa 67 % und eine niedrige Fehlalarmrate (ca. ein falscher Notruf pro 21,67 Nutzerjahre). Google wagt sich also mutig an lebensrettende Features und bringt sie auf den Markt.
Apple? Schweigt dazu. Es gibt keine Hinweise, dass ein vergleichbares Feature in Arbeit ist. Natürlich sind technische, regulatorische und ethische Hürden hoch – Fehlalarme können gefährlich sein. Doch für viele Nutzer wirkt es, als würde Google die Richtung vorgeben, während Apple in alten Bahnen bleibt.
2. Pulsmessung: Gut, aber nicht top
Viele Apple-Watch-Nutzer ärgern sich, dass die Pulsmessung nicht wirklich durchgehend ist. Die Apple Watch nutzt optische Sensoren (grüne und infrarote LEDs mit Photodioden), um den Blutfluss zu messen. Das klappt im Alltag meist gut, aber die Methode ist kein medizinischer Goldstandard. Besonders bei Bewegung, schlechtem Sitz der Uhr oder schwachem Signal gibt es Ungenauigkeiten.
Außerhalb von Workouts misst die Apple Watch den Puls oft nur alle 10 Minuten, nicht kontinuierlich. Während eines Trainings läuft die Messung zwar häufiger, aber Nutzer berichten von Sprüngen oder Aussetzern, vor allem bei intensiven Aktivitäten. Studien bestätigen: Bei hoher Belastung oder unregelmäßiger Bewegung wird’s ungenau. Auch die Herzfrequenzvariabilität (HRV), die für tiefere Gesundheitsanalysen wichtig ist, wird oft unterschätzt – im Schnitt um 8,31 ms im Vergleich zu einem Brustgurt.
Fazit: Für den Alltag ist die Apple Watch solide, aber wer präzise, durchgehende Messungen will, bleibt enttäuscht.
3. Schlaftracking: Okay, aber nicht beeindruckend
Die Schlafanalyse der Apple Watch ist ein weiterer Kritikpunkt. Sie misst Schlafdauer, Tief- und Leichtschlaf, Atemfrequenz und Aufwachphasen – das klingt gut, bleibt aber oberflächlich. Detaillierte Einblicke, etwa in Schlafphasenwechsel, REM-Abweichungen oder präzise Schlafqualität, fehlen. Nutzer von Geräten wie Oura, Garmin oder Withings berichten oft von tiefergehenden Analysen und genauerem Tracking.
Die Messung basiert auf PPG und Bewegung, ohne EEG oder andere präzise Methoden. Das führt zu Näherungswerten statt zuverlässiger Diagnostik. Kurz gesagt: Apples Schlaftracking ist brauchbar, aber nicht spitze.
4. Apple hinkt hinterher: KI, Satelliten, Konkurrenz
Die Schwächen der Apple Watch spiegeln ein größeres Problem: Apple wirkt weniger innovativ als früher.
a) Keine starke KI: „Apple Intelligence“ und die verbesserte, kontextbewusste Siri wurden mit großen Ankündigungen beworben, aber immer wieder verschoben. Apple selbst gibt zu, dass die erste Version nicht stabil genug war. In Europa verzögern sich die Features zusätzlich durch Regularien wie den Digital Markets Act. Während Google (mit Gemini oder Bard) und Microsoft (via OpenAI) in der KI vorpreschen, wirkt Apple abgehängt.
b) Satelliten-Kommunikation mit Haken: Funktionen wie der Satelliten-Notruf oder Nachrichten über Satellit sind ein Verkaufsargument für iPhones und Apple Watches. Doch in vielen Teilen Europas funktionieren sie nicht oder nur eingeschränkt – aus technischen, regulatorischen oder lizenzrechtlichen Gründen. Nutzer fühlen sich oft getäuscht.
c) Konkurrenz überholt: Google bringt Gesundheitsfeatures wie die Herzstillstandserkennung schneller auf den Markt. Hersteller wie Garmin, Samsung, Huawei oder Fitbit setzen aggressiv auf Sensoren, KI und Gesundheitsdaten – oft mit offeneren Systemen oder engerer Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten. Apple wirkt mit seinem geschlossenen Ökosystem zunehmend eingeschränkt.
Fazit: Apple muss sich strecken
Apple liefert weiterhin starke Produkte, und das Ökosystem ist nach wie vor ein Trumpf. Aber der Innovationsdruck scheint nachzulassen. Die Konkurrenz zeigt, was möglich ist – sei es mit lebensrettenden Features oder präziseren Gesundheitsdaten. Für Apple geht es nicht nur um Technik, sondern um Strategie: Mehr Mut zu radikalen Neuerungen, mehr Offenheit und weniger kleine Schritte könnten den alten Glanz zurückbringen. Sonst droht Apple, in der zweiten Reihe zu landen.
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