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Android-Smartwatches & Health-Tracking 2026: Warum Apple Health aktuell die bessere Gesamtlösung ist

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Viele Diskussionen über Smartwatches drehen sich um Sensoren, Akkulaufzeit und Features. In der Praxis entscheidet sich aber fast alles an der Softwarekette dahinter: Was nützt ein guter Sensor, wenn die Daten später unvollständig ankommen, doppelt gezählt werden, in der falschen Zeitzone landen oder irgendwo im Hersteller-Silo verschwinden? Genau deshalb wirkt Android-Health oft wie „Baustelle“: Nicht zwingend, weil die Hardware schlecht ist, sondern weil Datenfluss, Datenmodell, Berechtigungen, Historie und Auswertung selten wie aus einem Guss wirken.

Technisch betrachtet ist das Produkt nicht die Uhr, sondern die komplette Pipeline aus Messung, Verarbeitung, Speicherung, Freigaben, Aggregation und Darstellung. Erst kommen Rohdaten (Puls, Beschleunigung, EKG-Kurve), dann Algorithmen (z. B. Schlafphasen, HRV-Trends, Arrhythmie-Hinweise), dann Speicherung (lokal/Cloud, Schema, Metadaten), danach Rechte und Austausch zwischen Apps, danach Konfliktauflösung (zwei Quellen schreiben Schritte) und am Ende die Visualisierung samt Export. Wenn irgendwo davon geschlampt wird, fühlt sich das gesamte System „kaputt“ an – auch wenn die Uhr selbst solide misst.

Google hat die strategische Wende inzwischen klar gemacht: Die Google-Fit-APIs laufen aus, und neue Integrationen sollen über Health Connect kommen. Google beschreibt Health Connect als neue Grundlage für Health- und Fitnessdaten unter Android, inklusive granularer Rechte pro App und Datentyp. Das ist grundsätzlich der richtige Schritt, weil Android so überhaupt erst eine zentrale Datendrehscheibe bekommt. Aber Health Connect ist primär Infrastruktur – und Infrastruktur allein liefert noch keine gute „Apple-Health-Experience“.

Ein Punkt, der in der Praxis richtig Gift ist: Health Connect lässt Apps standardmäßig nur bis zu 30 Tage rückwirkend lesen, bezogen auf den Zeitpunkt, an dem erstmals Berechtigungen erteilt wurden. Wer mehr Historie braucht, muss eine zusätzliche Berechtigung anfordern; ohne sie schlagen Anfragen auf ältere Daten fehl. Für Nutzer sieht das dann schnell nach „Sync spinnt“ aus, obwohl es schlicht ein Plattform-Limit plus Berechtigungsthema ist.

Dazu kommt: Viele Leute wollen nicht nur Schritte und Workouts, sondern „ernste“ Gesundheitsdaten wie EKG-Berichte, verständliche Langzeittrends und einen sauberen Export. Und genau hier wird Android traditionell zäh, weil EKG regulatorisch und haftungsrechtlich eine andere Liga ist. Hersteller halten EKG-Workflows oft bewusst in ihren eigenen Apps, inklusive Auswertung und Report-Export. Das führt dazu, dass das Datendrehkreuz zwar Schritte und Trainings irgendwie verteilt, aber der Teil, der für viele wirklich zählt, im Silo bleibt.

Bei Google ist das zusätzlich dadurch verknüpft, dass Fitbit inzwischen zum Konzern gehört. Google hat die Übernahme von Fitbit im Januar 2021 abgeschlossen und positioniert Fitbit seitdem offen als Teil des Google-Ökosystems. Praktisch heißt das: Pixel-Watch-Gesundheitsfunktionen laufen stark über Fitbit-Software und Fitbit-Dienste. Und dann kommt das Bezahlmodell: Für „alles freigeschaltet“ stößt man schnell auf Fitbit Premium. Im deutschen Google Store werden dafür 8,99 € monatlich oder 79,99 € jährlich genannt – also grob 80 € pro Jahr. Selbst wenn nicht jede einzelne Messung hinter der Paywall hängt, bleibt dieses „Miete-Gefühl“ und verschlechtert den Vergleich zu Plattformen, die sich wie ein Systembestandteil anfühlen.

Garmin ist wiederum ein Sonderfall, weil Garmin sehr gute Hardware baut – und vor allem für Sport und GPS-Aufzeichnungen oft genau das richtige Werkzeug ist. Wer Training, Strecken, Outdoor-Funktionen, Akku und robuste Geräte priorisiert, landet nicht ohne Grund häufig bei Garmin. Gleichzeitig ist Garmin in vielen Fällen eben keine „moderne Smartwatch“ im Apple-/Samsung-Sinn, sondern eher eine Sportuhr mit Smart-Extras. Das merkt man an genau den Dingen, die viele heute als selbstverständlich sehen: echte Unabhängigkeit vom Handy, Mobilfunkdaten unterwegs, nahtlose Streaming-Nutzung, ein richtig integrierter Assistent und Telefonie ohne Klimmzüge.

Ein Beispiel ist LTE: Garmin hat zwar LTE-Modelle, aber bei der Forerunner 945 LTE sagt Garmin ausdrücklich, dass die Uhr über LTE keine Telefonanrufe machen oder empfangen kann und auch keine Smart Notifications über LTE senden oder empfangen kann. Das ist weit weg von dem, was Leute mit „eSIM-Smartwatch“ meinen. Beim Musikthema ist es ähnlich: Spotify auf Garmin ist im Kern „Offline auf die Uhr synchronisieren“, nicht „unterwegs streamen wie am Handy“. Spotify beschreibt das explizit als Download zur Offline-Wiedergabe und weist darauf hin, dass nur heruntergeladene Inhalte abgespielt werden können.

Auch beim Assistenten ist Garmin oft mehr „Fernbedienung“ als native Plattform. Im Venu-2-Plus-Handbuch steht klar, dass die Uhr für den Sprachassistenten per Bluetooth mit dem Telefon verbunden sein muss und die Kommunikation über den Assistenten auf dem Telefon läuft. Das kann im Alltag träge wirken, weil es eben vom kompletten Stack aus Bluetooth, Telefonzustand und App-Layer abhängt. Telefonieren geht bei Garmin nur auf bestimmten Modellen, und auch dann typischerweise nur gekoppelt mit einem Smartphone; Garmin beschreibt Telefonie explizit als Feature ausgewählter Geräte. Und zu guter Letzt ist Garmin Connect für viele der tägliche Schmerzpunkt: Der Funktionsumfang ist groß, aber die UI-Diskussionen um das Redesign zeigen, wie viel Frust sich über „altbacken“, „überladen“ und „inkonsistent“ aufstaut – inklusive sehr deutlicher Kritik in Garmins eigenen Foren und ausführlicher Aufarbeitung in der Szene.

Und damit sind wir bei Apple, weil Apple genau diese Kette anders löst: Apple hat mit HealthKit eine zentrale Datenablage, die systemweit gedacht ist und als „Datenrückgrat“ für iPhone und Apple Watch dient. Apple beschreibt HealthKit ausdrücklich als zentralen Speicher für Health- und Fitnessdaten, den Apps mit Nutzerfreigabe lesen und schreiben können. Der Vorteil ist nicht „Magie“, sondern Konsequenz: ein einheitliches Datenmodell, ein zentraler Ort für Berechtigungen, und vor allem ein Frontend (Health), das als echte Zentrale taugt statt nur als Pipe. Dazu kommen die Workflows, die in der Praxis zählen: In der Health-App kann man alle Gesundheitsdaten als XML exportieren, und EKG-Messungen lassen sich als PDF für den Arzt exportieren. Genau diese End-to-End-Integration ist der Grund, warum Apple im Moment für viele die beste Lösung ist: Du musst weniger basteln, weniger Apps zusammenkleben, weniger Quellenkonflikte debuggen – es funktioniert im Alltag einfach deutlich öfter „ohne Theater“.

Unterm Strich bedeutet das: Wenn du auf Android bleibst, funktioniert es meist am besten, wenn du ein Haupt-Ökosystem akzeptierst (Samsung-Welt, Fitbit-Welt, Garmin-Welt) und Health Connect nur als Transport für Basics nutzt, statt als großen Heilsbringer. EKG und andere „medizinisch angehauchte“ Daten behandelst du realistischerweise weiterhin in der Hersteller-App, weil dort Auswertung, Report und Export am konsistentesten sind. Wenn du dagegen die rundeste „einmal einrichten, dann läuft’s“-Lösung willst, ist Apple aktuell schwer zu schlagen – nicht weil alles perfekt ist, sondern weil Plattform, Datenhub und UI als Einheit gedacht sind.

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